Pilla erinnert sich: Windenstarts

Verein-Urgestein Pilla Hoffmann erinnert sich an die Anfänge unserer Vereinsgeschichte.

Dass der Brauch in deutschen Vereinen, verdiente Mitglieder durch besondere Maßnahmen zu ehren, sich wenig für Luftsportvereine eignet erfuhren die „Erzväter“ unserer „Leisefliegerei“ schon bald.  Der Bau ihrer ersten 60-PS Adlerwinde war im wesentlichen dem Ingenieur Ludwig Hermesmann zu verdanken. Schließlich habe der unter Kaiser Wilhelm in Krieg schon ein Aufklärungsflugzeug geflogen, der würde es auch schaffen, die neue Winde mit einem ersten Start einzuweihen. Fluglehrer Hans Fröhlich war jedoch etwas mulmig bei dem Gedanken zumute diesen Segelflug-Anfänger an der Winde starten zu lassen.

Er beugte sich aber dem allgemeinen Votum für Hermesmann. Der bestieg die „ESG Karl Berg, die immerhin schon ein Bötchen hatte – eine Sperrholz und Stoffummantelung des Führersitzes. Der Start verlief ganz normal, aber als sich die ESG im gleichen Winkel, wie im Steigungswinkel des Starts zu Boden senkte geschah es Sekunden drauf. Diee ESG krachte zu Boden und zersplitterte in „tausend Brocken“ der arme Ludwig lag stumm, wie tot, inmitten dieses Trünnerhaufens. Fluglehrer Hans Fröhlich tanzte wie Rumpelstilzchen um den Totalbruch und rief eingedenk seiner Verantwortung immer wieder: “Ich komme ins Zuchthaus, ich komme ins Zuchthaus!!!“

Bevor der ins Zuchthaus kam behandelten die Flieger erst einmal ihren Ludig, der offenkundig noch „schnaufte“. Als der die Augen aufschlug und fragte: „Wo bin ich?“ flößten sie dem Bruchpiloten erst einmal einen Doppelwachholder ein. Eine Schnapspulle gehörte damals zum unerläßlichen Flugbetriebs-Intenvar. Und, siehe da, Luwig bewegte sich, er hatte - oh Wunder – keinen Knochen gebrochen, er erhob sich wie „dunnemalem“ der für tot gehaltene Jüngling von Nain vor Jesus und beschloß weiter zu leben. Er hat das gründlich besorgt, denn er ist noch reichlich 90 Jahre alt geworden.